Dr. med. Ursula Wolf

Leiterin Pharmakotherapie-Management
Universitätsklinikum Halle (Saale)

Beworben in der Kategorie: Health und Winner

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Umfassende Innovation mit hoher Effizienz - Digital basiertes individuelles Pharmakotherapie-Management (IPM) zur Patienten-orientierten Versorgungsoptimierung und Prävention im Universitätsklinikum Halle (Saale)
Verschiedene Fachärzte versorgen zunehmend ältere Patienten, die wegen Mehrfacherkrankungen eine Vielzahl von Medikamenten einnehmen, deren risikoreiches Zusammenspiel aber im Einzelnen meist nicht mehr überschaubar ist. Es resultieren Medikamenten-assoziierte Organfunktionseinbußen, Sturzereignisse und Gedächtnisstörungen bis zur Demenz. „Weltweit werden mehr als 50% aller Arzneimittel unangemessen verschrieben, abgegeben oder verkauft“ (WHO 2006). Die eigene Expertise aus über 38.000 Medikationsanalysen ist sehr besorgniserregend. Unfallchirurgische Versorgungen bei Frakturen im Alter oder intensivpflichtige Behandlungen stellen häufig ein Ausbügeln eines vermeidbaren Ereignisses dar und belasten den älteren Patienten und das gesamte Gesundheitssystem. Das IPM verfolgt eine präventive Einflussnahme auf die auffällig häufig medikamentösen Ursachen durch risikoreiche Medikamenten-Cocktails.
Über das digitale UKH-interne Dräger-System und Orbis „sehe“ ich die Patienten ausführlich über ihre gesamte Medikationsliste, Diagnosen, jeweils aktuellen Laborparameter, Herz-Kreislauffunktionen. Das IPM ist aufgrund der fachlichen Expertise eine Synopsis von Innerer Medizin/klinischer Pharmakologie. Es folgt die Prüfung sämtlicher Medikamente über ihre Fachinformation und Leitlinien und deren Anwendung auf diese digital aktualisierte Patientensituation: Kontraindikationen? Additive Wirkungen? Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW)? Kumulative UAW? Wechselwirkungen? Überdosierungen? Fehlende Verordnung? Zeitliche Applikationsaspekte/Unverträglichkeiten? Notwendige Therapieänderungen werden unmittelbar in einem interdisziplinären Konsens, meist per Telefon, umgesetzt. Die „Kooperation auf Augenhöhe“ mit Assistenz- , Fach- und Oberärzten der Alterstraumatologie und Intensivmedizin ist ein innovativer interdisziplinärer Austausch auf der Basis digitaler Vernetzung von hoher Akzeptanz.
Die Evaluationsergebnisse bezeugen eine dringend erforderliche und sehr erfolgreich machbare Prävention und Optimierung der risikoreichen Polypharmazie: Rückgang des gefürchteten komplizierenden Delirs um 90,2% und Sturzereignisse um 83% in der Alterstraumatologie, auf den Intensivstationen von 2015-2018: Rückgang schwergradiger Krankheitsverläufe z.B. Multiorganversagen, Lungenversagen und Reduktion resistenter Krankenhaus-Infektionen, Anstieg der Belegungs-Fallzahlen um 25 % bei verkürzter Liegedauer. Trotz steigender Belegungs-Fallzahl gleichzeitig enorme Kostenreduktion von Arzneimitteln auf beiden Intensivstationen um 451.597,07 € (= minus 28%).

Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für Deine Karriere?

Mit einer breiten Erfahrung aus 12-jähriger Tätigkeit in der Inneren Medizin am Universitätsklinikum Bonn und ergänzend 6 weiteren Jahren in klinischer Pharmakologie wollte ich nach Übernahme der Leitung des Pharmakotherapie-Managements am Universitätsklinikum Halle (UKH) diese einmalige synoptische Expertise möglichst vielen Patienten und Kollegen interdisziplinär und interprofessionell zu Gute kommen lassen.
Die digital geführten Patientenakten am UKH, sowohl der Patienten der Alterstraumatologie als auch der chirurgischen Intensivstationen ermöglichten mir, innerhalb von 6,5 Minuten ein „digitales Gesamtbild“ eines Patienten zu erfassen und auf dieser entscheidenden ganzheitlichen Basis mit Übersicht über alle akuten Krankheitsaspekte, Diagnosen, Herz-Kreislaufparameter, aktuellen Labordaten, EKG und diagnostischen Befunden die gesamte Medikationsliste individuell anhand der Fachinformationen und Wechselwirkungen zu adaptieren. Die Digitalisierung garantiert mir so nicht nur ein Arbeitspensum von 9,2 Patienten pro Stunde (6,5 Min. pro Patient) im Vergleich zu herkömmlichen zeitaufwendigen Vorort-Konsilen mit bis zu 1 Std. Aufwand zu etablieren, sondern dieses Pharmakotherapie-Management erweist sich als hocheffektive Versorgungsoptimierung der so betreuten Patienten, die altersbedingt oder multimorbide meist eine Multimedikation (Polypharmazie) benötigen. Ohne dieses digitale Vorgehen meinerseits wäre das erreichte Ergebnis nicht erzielbar und es zeigt die dringende Notwendigkeit einer entsprechenden Nutzung mit analogem Procedere bei einer perspektivisch zugestimmten elektronischen Patientenakte im ambulanten Sektor.
Das so etablierte, nachweislich hocheffektive präventive Vorreitermodell ermöglicht mir internationale Publikationen, Vernetzung und die Option der Habilitation und klinikintern eine geplante Stellenanhebung in Oberarztposition. Das digital basierte, effektive Projekt war u.a. Wegbereiter der Mitgliedschaft in der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft in der Arbeitsgruppe Arzneimitteltherapiesicherheit, nationaler und internationaler Delphi-Expertenboards und erzielte 2020 zwei Auszeichnungen.

Warum bist Du ein Digital Female Leader?

Mein innovatives, digital basiertes Pharmakotherapie-Management mit detaillierten individuellen Medikationsanalysen von Medikamentenlisten bis teilweise über 20 Medikamenten pro Patient, gerade in der Intensivmedizin, der Altertraumatologie und der Transplantationsmedizin, garantiert eine hoch effektive und ökonomisch effiziente Versorgungsoptimierung und war nur durch intrinsisch äußerst motivierten, überzeugenden Einsatz erzielbar mit entsprechendem Organisationssinn und großem Fachwissen. Die täglichen telefonischen Änderungsvorschläge zu sehr komplexen Therapien gerade auf den Intensivstationen erfordern eine hohe Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit sowie weitreichendes Verantwortungsbewusstsein. Die selbstständig erreichte nachhaltige Implementierung und Erweiterung dieser neuen Strategie erforderte zudem interprofessionelle Sozialkompetenz auf Augenhöhe, zudem überzeugende Vorbildfunktion im Umgang mit Kollegen und interprofessionelle im Umgang mit Pharmazeuten und Pflegeberufsangehörigen. Das ökonomische Denken ist ein weiterer Aspekt und erweist sich als zusätzliches überzeugendes Benefit neben der präventiven Versorgungsoptimierung für den einzelnen Patienten. Mit dem Fokus des digital basierten Pharmakotherapie-Managements auf 1. Prävention, 2. Arzneimitteltherapiesicherheit, 3. Patientensicherheit, 4. Digitalisierung, 5. elektronischer Patientenakte, 6. interdisziplinäres Netzwerken und 7. Gesundheitsökonomie werden weltweit vordergründige und dringlichste Anforderungen im Gesundheitswesen (s. WHO - 3rd Global Patient Safety Challenge 2017: "Medication without Harm"; Bundesgesundheitsministerium 5. Aktionsplan zur Arzneimitteltherapiesicherheit, Februar 2021) adressiert und bezeugen in Synopsis mit den resultierenden, nachweislich hoch effektiven Ergebnissen die prägnante Aktualität und Qualität dieses digitalen Leaderships mit einem weltweiten, sehr erfolgreichem Alleinstellungsmerkmal.

Was Führung für mich bedeutet

Führung bedeutet für mich, ein innovatives Projekt im interdisziplinären oder interprofessionellen Team auf Augenhöhe hoch motiviert vorzustellen und konsequent gegen herkömmliche Strategien und Hierarchien engagiert voranzutreiben, auch Skeptiker mitzunehmen, dass alle überzeugt mitmachen, bis eine nachhaltige Implementierung verankert ist und ein Evidenz-basierter Effektivitätsnachweis das Team begeistert, und damit die erfolgreiche Innovation als Modell für eine konsekutiv universal einsetzbare Anwendung außerhalb des eigenen Unternehmens zu etablieren.